Rund ums Thema «Katzentür»

Welt der Katzen

Rund ums Thema «Katzentür»

Viele Katzen haben Freilauf – aber nicht immer eine Katzentür, die es ihnen erlaubt, jederzeit in ihre Schutzzone zurückzukehren. Gehört eine Katzentür einfach dazu? Welche Fragen stellen sich ausserdem in diesem Zusammenhang?
Viele Katzen haben Freilauf – aber nicht immer eine Katzentür, die es ihnen erlaubt, jederzeit in ihre Schutzzone zurückzukehren. Gehört eine Katzentür einfach dazu? Welche Fragen stellen sich ausserdem in diesem Zusammenhang?

Von Claudia Kasper, dipl. Tierpsychologin ATN

 

Katzentür – ja oder nein? – Ich kenne viele Quartierkatzen ohne Katzentür, die morgens aus dem Haus gelassen werden und erst abends wieder heimkehren können, wenn ihre Halter von der Arbeit zurück sind. Manche von ihnen gehören auch einer Familie oder pensionierten Menschen, wo tagsüber oft jemand da ist. Wenn das Büsi dann mit vorwurfsvollem Blick vor der Terrassentür hineinsieht oder fordernd miaut, wird ihm meistens die Tür geöffnet. Der Mensch beklagt sich dann nicht selten darüber, dass er zum Türöffner seiner kapriziösen Katze geworden sei. Mit ihrem ständigen Rein und Raus strapaziert sie seine Geduld. Trotzdem hat man sich aus verschiedenen Gründen gegen eine Katzentür entschieden: Das Einbauen ist mit Kosten verbunden. Die Katze soll gar nicht jederzeit hereinkönnen, der Halter möchte das bestimmen. Man will nicht, dass tote Mäuse oder andere Beutetiere einfach hereingetragen und an unerwünschten Orten – etwa im Bett oder auf einem teuren Teppich – verspeist werden. Fremde Freilaufkatzen sollen nicht die Möglichkeit bekommen, in die Wohnung oder das Haus zu gelangen. All dies sind durchaus einleuchtende Argumente

aus der Sicht des Menschen. Wie sieht es jedoch wohl aus der Sicht der Freilaufkatze

aus? Hier gibt es nur einen Grund, der dafür spricht, eine Katzentür einzubauen: Wenn eine Katze sich draussen bedroht fühlt, wenn sie gejagt wird, verletzt ist, Hunger hat, in Sicherheit ein Nickerchen halten möchte oder ihre Beute ungestört fressen will, dann geht sie schnurstracks nach Hause. Ihr Heim ist ihre Sicherheitszone.

 

Und zu diesem Schutzbereich sollte sie immer Zugang haben. Das ist ein elementares Grundbedürfnis jeder Freilaufkatze. Kein Tier fühlt sich wohl, wenn es Gefahren ungeschützt ausgesetzt oder verletzt ist und keine Möglichkeit hat, sich in Sicherheit zu bringen. Eine Katze, die zum Beispiel nach einem Kampf oder einer Verfolgungsjagd vor verschlossener Tür steht und nicht in ihre Schutzzone hineinkann, ist zu bedauern.

 

Gerät sie immer wieder in solche Notsituationen, sucht sie sich gar ein neues Zuhause, das ihr solche Konflikte erspart. Der Zugang zum sicheren Zuhause sollte dem Büsi nicht verwehrt sein.

 

Es ist deshalb tiergerecht, eine Katzentür einzubauen – mit all den Nachteilen, die das mit sich bringen kann. Wer seinen eigenen Interessen trotzdem die höhere Priorität einräumt, kann seiner Katze wenigstens einen Kompromiss anbieten, indem er ihr vor der Tür, auf der Terrasse oder im Garten einen sicheren Ort einrichtet: Man baut ihr ein kleines Häuschen, beispielsweise aus einer an allen vier Seiten geschlossenen Holzkiste, in die man eine kleine Öffnung schneidet. Die Öffnung sollte auf der Längsseite in der Mitte sein, da sich Katzen zur Seite hin besser verteidigen können als nach vorn oder wenn der Gegner von oben kommt.

 

Die Kiste isoliert man mit einer Schicht Zeitungen und füllt sie mit Heu. Steht sie an einem Ort, der nicht wetterfest ist, kann man sie mit einem Dach aus Wellblech schützen. Ausserdem sollte die Kiste nicht am Boden, sondern in einer Höhe von mindestens 1.5 Metern platziert werden. Der erhöhte Ort bietet der Katze ein Gefühl von grösserer Sicherheit und gibt ihr bessere Möglichkeiten zur Verteidigung. So kann zum Beispiel auch ein Hund sie nicht in ihrem Versteck behelligen. Ein schräg gestelltes Brett oder eine kleine Kiste, die als Stufe zum Versteck dient, verschaffen dem Büsi den Zugang zu seinem kleinen Sicherheitshort. Das ist aus Katzensicht zwar keine gleichwertige Lösung zur Katzentür, aber sicher besser als nichts.

 

Wo soll die Katzentür hin?

Wenn man sich für eine Katzentür entschieden hat, stellt sich sofort die Frage, wo sie am besten eingebaut wird. Kriterien, welche die Platzierung aus Menschensicht beeinflussen,

sind u. a.: Es sollte möglichst wenig Schmutz hereingetragen werden. Der Zugang zu den Wohnbereichen sollte kontrollierbar sein. Der Einbau sollte unkompliziert sein und möglichst

wenig kosten. Solche Überlegungen führen oft dazu, dass der Zugang fürs Büsi im Einfamilienhaus durch den Einbau der Katzentür in einem Kellerfenster geschaffen wird.

 

Die Katze kann dann in den Keller, aber meistens nicht in die Wohnbereiche. Das ist aus Katzensicht keine optimale Variante, wenngleich die Interessen der Menschen nachvollziehbar sind. Am feudalsten sind für die Katze diejenigen Lösungen, wo sie gleich im Zentrum ihres Zuhauses landet: dort, wo sie in die Küche zum Futternapf spazieren, sich auf einem Sessel oder Bett an einem warmen Ort zusammenrollen oder am Geschehen im Leben ihrer Menschen teilnehmen kann. Ideale Lösungen aus der Perspektive der Katze sind also Türen, die in einem Fenster im Erdgeschoss, in der Balkon- oder der Wohnungstür eingebaut werden.

Sie ermöglichen es dem Büsi, sofort alle Vorzüge seines Daheims zu nutzen: Sicherheit, Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten, Futter, Wärme, Streicheleinheiten sowie die Nähe zu seinen Menschen.

 

Welches Modell soll es sein?

Nachdem man sich über das Wo geeinigt hat, muss man sich über die verschiedenen Katzentürenmodelle kundig machen. Bei den meisten Modellen lässt sich regulieren, ob die eigene Katze rein und raus oder nur rein und nicht mehr raus kann etc. Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Katzenklappen, die steuern, dass ausserdem keine fremden Katzen ins Haus gelangen: Die einen funktionieren mit einem Magnet, mit elektronischer Erkennung oder Infrarotübertragung.

 

Damit die Klappe sich für die Katze öffnet, muss diese ein Halsband mit dem entsprechenden «Schlüssel» tragen. Bei der Lösung mit einem Magnet kann man übrigens auch darauf verzichten, diesen dem Büsi umzubinden. Wenn keine fremden Katzen hereinzukommen

versuchen, lässt sich nämlich der kleine Hebel in der Tür, der den Zugang steuert, einfach mit einem Klebeband fixieren. Dadurch wird das System «überlistet».

Die zweite Art von Katzentür heisst PetPorte. Sie funktioniert, indem man die Identifikationsnummer seines gechippten Tieres gleichzeitig für die Katzentür nutzt. Sobald das Büsi in die Nähe ihrer Tür kommt, lässt sich die Klappe öffnen. Das Chippen finde ich sinnvoll, da die Chancen dadurch enorm steigen, eine verschwundene Katze wiederzufinden. Der Vorteil für viele Halterinnen liegt beim PetPorte-System darin, dass ihre Katze kein Halsband tragen muss. Andererseits haben Halsbänder aber auch Vorteile: Man sieht auf den ersten Blick, dass die Katze jemandem gehört, und es lässt sich ausserdem eine Adresskapsel daran befestigen.

 

Meine Katzen tragen ein Halsband mit einem Peilsender, damit ich sie draussen finden kann, wenn sie nicht zur gewohnten Zeit nach Hause kommen. Zusätzlich sind sie gechippt und mit einer Adresskapsel versehen. Bei jeder Lösung gilt es, die Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen und sich für die Variante zu entscheiden, die einem selbst für seine Tiere am sinnvollsten erscheint.

 

Gewöhnung an die Katzentür

Nachdem die Katzentür eingebaut ist, muss das Büsi zuerst an deren Gebrauch gewöhnt werden. Am einfachsten geht das, indem man die bewegliche Klappe fürs erste Training ganz hochklappt und mit einem Klebeband fixiert. Wenn die Katze nicht von selbst auf die Idee kommt, durch die Öffnung zu schlüpfen, stellt man sich auf der anderen Seite hin und versucht, sie mit einem Leckerli hindurchzulocken.

 

Das funktioniert eigentlich meistens prima. Nicht sinnvoll ist es hingegen zu versuchen, sie gegen ihren Willen durch die Katzentür zu schieben. Ungern lassen sich unsere selbstständigen Haustiere solche Zwangsmassnahmen gefallen. Sie sollten den Dreh möglichst selbst herauskriegen. Hat man sie also dazu verleitet, einige Male die Katzentür in beide Richtungen zu benutzen, indem man jeweils auf der anderen Seite mit einer Belohnung winkte, folgt die nächste Phase: Man entfernt den Klebestreifen und stupst die Klappe etwas an, wenn die Katze davorsteht. Die meisten Tiere begreifen schnell, dass sie hindurchschlüpfen können, indem sie mit dem Kopf oder der Vorderpfote dagegenstossen.

 

Es gibt aber auch einige, die etwas mehr Zeit brauchen, um zu lernen, wie sie die Klappe öffnen können. Dann übt man geduldig etwas länger mit ihnen. Manchmal kommt es auch vor, dass Katzen ihre Tür partout nicht benutzen wollen. Oder aber, dass sie diese nur von einer Seite her benutzen, von der anderen jedoch nicht. In allen Fällen, in denen ich mit diesem Problem konfrontiert war, steckte dieselbe Ursache dahinter: Die Katze sah nicht, wohin sie auf der anderen Seite trat. Entweder war die Distanz zum festen Untergrund auf einer Seite der Katzentür zu gross oder die «Landefläche» drinnen oder draussen zu klein. Deshalb sollte man also bei solchen Problemen mit einem Brett oder etwas Ähnlichem dafür sorgen, dass die Katze sieht, wohin sie tritt und dort auch sicher aufsetzen kann. Grenzenloser Freilauf?

 

Eine Katzentür ermöglicht Freilauf rund um die Uhr – tiergerecht ist das zweifellos, denn unser Haustier ist von Natur aus nachtaktiv. Aber wollen wir auch, dass sie nachts ständig unterwegs ist? Es gibt einige Argumente, die gegen den unkontrollierten Freilauf nach dem Eindunkeln sprechen: In der Stille der Nacht fühlen sich Katzen nämlich sicherer, weshalb sie sich auch weiter weg wagen. Diese Sicherheit trügt jedoch.

 

Unzählige Katzen werden nachts überfahren, da viele Autofahrer dann oft schneller fahren. Eine von Scheinwerfern geblendete Katze erstarrt in der Bewegung und wird überfahren, weil der Fahrer selten noch rechtzeitig zu bremsen vermag. Manchenorts sind ausserdem nachtaktive Raubtiere wie Marder oder Dachse eine Gefahr für die Katze sowie Katzenhasser, die ihr unbeobachtet etwas antun können. Auch die berüchtigten Katzenkämpfe finden meistens nachts statt, weil die Tiere durch ihr Herumstreifen in fremde Reviere geraten. Die heftig ausgetragenen Kämpfe führen meistens zu Verletzungen und stören die Nachtruhe, was manche Nachbarn erbost.

 

Ein weiterer Aspekt muss hier auch noch erwähnt werden: Beim grenzenlosen Freilauf ist es deutlich schwieriger festzustellen, ob die Katze normal frisst und trinkt sowie normal Kot und Urin absetzt. Bei Freilaufkatzen hat man deshalb darüber eine bessere Kontrolle, wenn die Tiere einige Stunden daheim verbringen müssen. Aus diesen Gründen behalten sehr viele Halterinnen und Halter ihre Katzen nachts im Haus und schlafen ruhiger, weil sie sich keine Gedanken oder sogar Sorgen um den Verbleib ihres Büsis machen müssen.

 

Natürlich gibt es auch Katzen, die einen solchen Aufstand machen, wenn sie nicht nach ihrem Gutdünken hinauskönnen, dass ihre Besitzer klein beigeben – Katzen sind ja sehr willensstark und tragen nicht selten den Sieg aus solchen Zermürbungsgefechten davon ... Wer sein Büsi nachts also drinnen behalten will, braucht manchmal gute Nerven und einen noch stärkeren Willen als sein maulender Vierbeiner.

 

Wenn die Katze jedoch merkt, dass ihr forderndes Miauen und ausdauerndes Gekratze an der Katzentür keine Wirkung zeigt, weil der Mensch ihr Verhalten konsequent ignoriert, wird sie sich normalerweise in ihr Schicksal fügen und ihrem Zweibeiner deshalb nicht gleich die Liebe aufkünden.

 

Im Onlineshop finden Sie eine grosse Auswahl an Katzentüren.

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